People of Canada - People of British Columbia
Einwanderung im Westen Kanadas

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2 Die Bevölkerung Kanadas

2.1 Geschichtlicher Abriss und heutiger Stand der Bevölkerungsgruppen

Die ersten Einwohner Canadas sind, wie gesagt, auch nur Einwanderer, im Gegensatz zu den später folgenden geschichtlichen grossen Einwanderungswellen kamen sie aus dem Westen, vom Eurasischen Kontinent indem sie die sich periodisch zurückziehende Nordpolareiskappe im Süden, damals am Landweg umgingen. Diese Bevölkerungsewegungen erfolgten ab 40.000 Jahren b.p. wellenweise, im kleinen Gruppen zu etwa hundert Jägern und Sammlern. Zwingende Gründe (Bevölkerungsdruck u.a.) scheinen für diese in Summe doch als Völkerwanderung zu bezeichnendes Ereignis nicht vorzuliegen.

2.1.1 Native Peoples

Die arktische Lebenswelt lag während dieser Jahrtausende unter ständigen Klimawechsel. Dieser zwang die ersten Einwanderer hauptsächlich in Richtung Süden, aber auch nach Osten bis Grönland. öfters war auch der Weg über die Beringstrasse gesperrt, was Bevölkerungsgruppen entstehen liess, die heute getrennt erscheinen: Indianer und Innuit

Die Innuit:

Als die Ureinwohner im 16. Jhd. Mit dem europäischen Entdeckern zusammentrafen, lebten etwa 200.000 Indianer und Innuits in den verschieden Sprach und Kulturregionen. Heute bilden diese ethnischen Gruppen lediglich etwa 2% der Gesamtbevölkerung Canadas (1991: 450.000 Indianer, 35.000 Innuits, 100.000 Metis). Die Innuits bewohnen die Küste des arktischen Ozeans, Nord-Québec und die Küste Labradors. (Indianer siehe eigenes Referat).

Echt beeinflusst durch die Ankunft der Europäer, wurden diese Völker erst ab den 20er Jahren unseres Jahrhunderts, dafür dann aber im negativen Sinne. Bis dahin kam es zwischen den "alten" und den "neuen" Einwohnern Canadas zu keinen nennenswerten Konflikten: territoriale überschneidungen gab es nicht, der britisch geprägte Rechtsstaat erhob keinen Anspruch auf die kaum europäisch besiedelten Territories, und besonders die Innuits hatten sowieso kein Verständnis für unser Sozialgefüge. Bis 1920 war also das Zusammenleben für beide positiv (von ein paar Seuchen und Missionaren abgesehen), man tauschte im Prinzip Felle gegen Werkzeug und Waffen für die Jagd. 1940 war in Europa der Durst nach Fellen endgültig gelöscht, die Wirtschaft der Native People brach zusammen.

Grippe und Tuberkulose dezimierten 2/3 der Innuits. Die canadische Regierung interveniert 1958, bei einer Säuglingssterblichkeit von 257‰ reichlich spät. Nicht nur Gesundheitsprogramme wurden gestartet, man forcierte auch die bis dahin völlig ignorierte Integration, aber das Ansiedeln in "europäischen Dörfern" führte wohl eher zur Ghettoisierung mit allen ihren Folgen. 50% der Innuits sind unter 25 Jahre alt, sie wenden sich nun progressiv wieder ihren ursprünglichen Lebensstilen zu, und vermarkten dies touristisch

In den Territories (NW und Yukon) gibt es keine Reservate, Indianer und Innuits stellen dort 85% der Bevölkerung, der Grossteil von ihnen wohnt aber verstreut über die Provinzen im Süden, wo sie nur kleine seggregierte Minoritäten bilden. Doch der langjährige Ausschluss aus der canadischen Gesellschaft (Wahlrecht 1960...) half diesen Bevölkerungsgruppen ihre Eigenheit zu bewahren, auch wenn ihnen nicht-traditionelle Religion, Medizin und Schule aufgepfropft wurde. Es gibt heute ein Wiederaufkommen eines nationalen Selbstbewusstseins. Das wurde auch in Ottawa erkannt: im April 1999 werden die Grenzen der canadischen Arktis neugezogen. Der Kompromiss entstand nach jahrelangen Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und den Innuit. 2,2 Millionen Quadratkilometer werden ausgegliedert, mit Recht auf Eigenverwaltung und Mitsprache bei den Schürfrechten, 350.000 km² gehen in den direkten Besitz der Innuits über.

2.1.2 Europäer

Vor allem Franzosen, Briten, Iren und Deutsche. Die Franzosen kolonisierten als erste das Land ab dem 16. Jhd. Aber Kanada ist in erster Linie Britisch und es handelt sich eigentlich um royalistische Flüchtlinge (Empire Loyalists) der amerikanischen Revolution ab dem 18. Jhd. Elisabeth II ist noch immer Staatsoberhaupt. Sie alle besiedelten das Land vom St. Lawrence River her und drangen nach Nordwesten vor. Die Westküste wurde erst im 19. Jhd. durch ihre Goldfunde bekannt. Die Besiedlung erfolgte aber vom Süden her.

Ukrainer kamen im 18. Jhd., angezogen von freien Farmen im Westen und sind sie heute noch stark in den Prärien (Manitoba, Saskatchewan) vertreten. Ihre ethnische Vorherrschaft wurde durch spätere slawische Einwanderer nie ernstlich angefochten.

2.1.3 New Immigrants

Hierzu zählen vor allem die Chinesen unter den Asiaten. Sie sind die ersten Einwanderer nach den Native Peoples die wieder aus dem Westen kamen, dort sind sie auch am meisten vertreten. Angelockt wurden sie ursprünglich durch die Goldfunde, effektiv arbeiteten sie aber meistens an Bau der Canadian Pacific Bahn mit und konnten sich am Anfang des 20. Jhd. gut in ihrer neuen Heimat einleben, sehr zum Neid der "weissen Kaufleute". 1923 kam es zum Chinese Immigration Act. Er blockierte die Einwanderung aus Asien so erfolgreich dass bis 1947 ganze 12 Chinesen einreisen konnten. (Siehe auch Kap. 4.6 Chinesen in British Columbia)

Ab 1960 wurden die Einwanderungsbestimmungen gelockert und so kamen weitere, andere Nationalitäten ins Land. Der Multikultralismus ist in Canada nun gesetzlich verankert. (Siehe auch Kap. 3.2 Politik des Multikulturalismus.)

2.2 Bevölkerungsentwicklung, Gründe

2.2.1 Ausmass, Zusammensetzung

Laut einer Hochrechnung eines privaten statistischen Servers betrug die Bevölkerung Kanadas am 4.4.1996 30.136.743 Einwohner. Seit 1600 stieg die Bevölkerungszahl quasi exponentiell auf diese nun 30 Millionen an: im 17. Jhd. schwankte sie nur wenig um etwa 200.000, davon etwa noch die Hälfte Amerindianer. Um 1780 Anstieg auf 320.000 infolge der Unruhe weiter südlich und der Entscheidung Canada britisch zu halten. Ab dann gigantischer Aufschwung: 2,5 Millionen um 1850. Für den weiteren Verlauf siehe Abbildung 1.


Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung 1851-1996, absolut in Tausend (Quelle: Canadian Yearbooks 1992, 1994 und Internet: www.co.org)

Doch Abbildung 2 macht die Unterschiede im Ursprung dieses Bevölkerungszuwachses deutlich: trotz massiver Werbekampagnen zur Besiedlung des urbarmachbaren Westen ("the last, best west") in Europa und den in Vereinigten Staaten, blieb der Hauptmotor immer die Fruchtbarkeit.

Nach dem 2. Weltkrieg herrschen Babyboom-Verhältnisse wie in Europa, ab 1960 nimmt die Immigration wieder stark zu.


Abbildung 2: Hauptkomponenten der Bevölkerungsentwicklung, absolut (Quelle: Canadian Yearbook 1994)

2.2.2 Immigration und Bevölkerungszusammensetzung

Alle Wanderungen fallen unter den Typ "Fernwanderung", da ja der Grossteil der Einwanderer aus übersee kam/kommt. Die Motive sind ökonomischer Art, bis nach dem 2. Weltkrieg wurde nach Herkunftsland "selektiert". Vorrangig versuchte man Briten und Iren anzuwerben, doch bald stellte sich heraus das die weiten Ebenen im Westen so nicht gefüllt werden konnten, als griff man auf die nächststehenden Bevölkerungsgruppen zurück: germanischer und später slawischer Abstammung.


Abbildung 3: Einwanderung nach Canada, Verlaufskurve (Quelle: Employment and Immigration Canada, 1989. Nach E.L. Tepper 1994, ergänzt)

Die moderneren Einwanderungszyklen sind sichtbar wirtschaftlicher Natur (Abbildung 3). In der zweiten Hälfte des 19. Jhd. blieb die Einwanderung noch gering. Da viele Immigranten in die USA weiterzogen, ergab sich bis in die 1890er Jahre eine negative Wanderungsbilanz. Sie konnte erst durch eine aktive Einwanderungspolitik umgekehrt werden. Lediglich in den 1910ern erreichte auch die Einwanderung auch bis heute nicht übertroffene Ausmasse: lag sie 1901 bei 50.000, so kamen 1913 400.000 nach Canada. Nicht ausser Acht lassen sollte man die Auswanderungen die auch in den 1920ern und besonders in den Krisenjahren sehr hoch waren. (Abbildung 2). Freies Land in den kanadischen Prärieprovinzen sowie gezielte Anwerbungen in Europa und zahlreiche Vergünstigungen durch die Regierung haben die bisher nicht übertroffene Zuwanderung bewirkt. So zahlte z.B. auch die irische Regierung den Auswanderungswilligen die überfahrt. Durch das progressive Anwerben und auch Nachkommen nicht-britischer Europäer änderte sich auch die duale anglo-französische Struktur, die in der Verfassung von 1867 festgehalten ist.

Das breiter gewordene ethnische Spektrum hatte besonders bei der anglocanadischen Bevölkerung ängste ausgelöst, ging es doch darum die "britische Zivilisation" zu erhalten. Betroffen waren vor allem Asiaten, deren kulturelle Distanz zu den europäischen Gruppen als besonders aufprallend empfunden wurde und die als nicht assimilierbar galten. Auch die Ansiedlung anderer Bevölkerungsgruppen stiess auf erheblichen Widerstand, besonders in den Jahren der Depression der 1930er Jahre. Andere Ethnien wurden wohl toleriert, wobei man allerdings erwartete, dass sie sich möglichst bald assimilieren und der führenden anglocanadischen Gesellschaft anschliessen würden (Zum Leidwesen der Québecer).

Nach dem 2. Weltkrieg veränderte sich die Situation sowohl für die Einwanderungspolitik als auch die Einstellung zu den ethnischen Gruppen im Land. Canada beteiligte sich an der Weltpolitik (UNO und NATO), internationales Ansehen und Verantwortung nahmen zu. Die bisherige Einwanderungspraxis mit offenkundiger Diskriminierung und der Bevorzugung von Westeurpäern entsprach nicht mehr dem neuen Verständnis, die Bereitschaft der Bevölkerung Flüchtlinge aus Afrika und Asien aufzunehmen verstärkte sich. Auch wurde man sich der Bedeutung der Einwanderer für die Wirtschaft des Landes und der Bevölkerungsentwicklung bei rapide sinkenden Geburtenzahlen bewusst. So erliess die Regierung in den 60er Jahren eine Reihe von erglänzenden Bestimmungen, und 1978 folgte ein neues Einwanderungsgesetz.

An die Stelle ethnischer Auswahlkriterien (nächste Verwandtschaft zu Briten) sind demographische und ökonomische Gesichtspunkte getreten. Entsprechend werden Planzahlen pro Jahr wie auch Berufe von Bewerbern mit dem Bedarf der Wirtschaft und besonders des Arbeitsmarktes abgestimmt. Grosse Kontingente entfallen aber doch auf Familienzusammenführung und Flüchtlinge, bevorzugt werden Unternehmer und Investoren.

Nach dem 2. Weltkrieg stieg die Immigration wieder sprunghaft an, bis 1960 kamen zwei Millionen, davon 80% aus dem kriegszerstörten Europa. Doch anschliessend änderten sich die Verhältnisse recht eindeutig, siehe Abbildung 4. Das Niveau bleibt von 1961 bis 1991 annähernd gleich hoch, doch werden europäische Einwanderer durch Asiaten "ersetzt". Die Immigration aus Ländern mit ähnlichen Lebensstandard (USA, Australien) steigt noch bis 1971 (Wirtschaftsboom, Expo67), wird jedoch bis 1991 verschwindend gering. Einwanderer aus ärmeren Erdteilen (Afrika, Lateinamerika,...) nehmen langsam zu, hierbei ist aber zu bemerken, dass sich auch unter den Asiaten Einwanderer aus Dritte-Welt-Ländern befinden, vor allem vietnamesische Flüchtlinge ab 1970.


Abbildung 4: Herkunft der Immigranten 1961-1991 (Quelle: Canadian Yearbook, verschieden Jahre, geglättete Kurven)

Die Ankunft anderer Immigranten wirkt sich letztendlich auch auf die Gesamtzusammensetzung der canadischen Bevölkerung, dem ethnische Profil, aus, siehe Abbildung 5. Gefragt wurde hier nach der nationalen Zugehörigkeit zu vorgegebenen Gruppen oder die Abstammung. Zum Vergleich dienen Zählungen aus den Jahren 1971 und 1991, ab 1981 wurden auch Mehrfachnennungen zugelassen, wodurch das Bild zwar komplizierter, aber wirklichkeitsnäher wird.

Bei der Gegenüberstellung der Profile in Abbildung 5 lassen sich neue Entwicklungen erkennen. Zu den beiden charter groups bekannten sich 1991 weitaus weniger als 1971. Dabei fällt auf, dass der Anteil der Frankokanadier nur relativ gering zurückging, und auch die Angabe "Frankreich u.a." kommt nur begrenzt vor. Das lässt darauf schliessen, dass sich diese Gruppe nach aussen abschliesst und kaum mit anderen Ethnien verbindet. Bei den Briten hingegen sind die "Verbindungen" auffallend hoch und ihr Anteil an den Einfachnennungen nahm stark ab. Dies ist auch eine Folge ihrer weiten räumlichen Verbreitung, wären die Gruppen französischer Herkunft überwiegend in Québec konzentriert ist.

Auffällig ist auch der Rückgang der eindeutigen Nennungen bei jenen die schon vor Jahrzehnten ins Land kamen und seit langem kaum durch neue Einwanderer verstärkt wurden. Dies deutet auf Assimilierung hin, In Summe bleibt die Einwanderung gleich stark, alles Neue kommt also aus Asien.

Auf Herkunft und Zusammensetzung der Immigranten wird noch im Kapitel 3 Immigration heute näher eingegangen.


Abbildung 5: Ethnische Profile Canadas 1971 und 1991 (Quelle: Census of Canada 1971 und 1991)

2.2.3 Binnenwanderung

Generell nahm die Migration innerhalb Canadas seit 1990/1991 ab, die canadische Regierung erklärt dies mit der wirtschaftlichen Lage. 1993/1994 lag die Zahl der Gesamtmigranten bei 1.472.249, davon sind aber nur etwa180.000 Immigranten. Neufundland übernimmt nach neun Jahren wieder die stärkste Abwanderungsrate, 24% der Binnenwanderer haben Ontario als Ziel. Generell fallen in Tabelle 1: Migration die Minuszeichen auf.

British Columbia war die einzige Provinz die 1993/94 mehr Zuwachs durch interne Migration verzeichnete als durch internationale Immigration. Neben der gewichtsmässig vernachlässigbaren Prince-Edward-Island ist British Columbia überhaupt die einzige Provinz mit positiven Migrationswerten. Ontario, Québec und Alberta verlieren intern an Bevölkerung (besonders in Richtung British Columbia), doch wird dies durch eine drei Mal so hohe internationale Zuwanderung in den Schatten gestellt. Dieser Trend nahm 1995 aber erstmals seit 10 Jahren ab.

Vancouver kennt seit drei Jahren die stärksten Zuwanderungsströme des Landes (Kap. 4 British Columbia).

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             1993-1994            Interprovinziale Migration   Migrationsrate
                               Ein          Aus     Differenz   Jän. 1994 (‰)
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Terre-Neuve                  6 580       11 532       -4 952      -8,49
Ile-du-Prince-Édouard        2 688        2 066          622       4,65
Nouvelle-Écosse             15 259       17 146       -1 887      -2,02
Nouveau-Brunswick           10 725       11 396         -671      -0,89
Québec                      23 777       32 535       -8 758      -1,20
Ontario                     64 625       74 045       -9 420      -0,87
Manitoba                    15 253       19 867       -4 614      -4,10
Saskatchewan                16 828       22 259       -5 431      -5,37
Alberta                     51 763       53 393       -1 630      -0,63
Colombie-Britannique        76 549       38 678       37 871      10,44
Yukon                        1 558        2 652       -1 094     -36,96
Territoires du Nord-Ouest    3 303        3 339          -36      -0,56
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Tabelle 1: Migration (Quelle: Statistics Canada "Le Quotidien" vom 15. 8. 1995
Internet: www.statcan.ca/daily/francais/950815/q950815.htm
Migrationsjahr: 1. April bis 31. März, Bevölkerungsstand 1.1.1994)

Zusammen mit den Internationalen Wanderungen (siehe Kap. 3.3 Herkunft und Zielgebiete der Immigranten, Tabelle 8: Immigration nach Zielgebieten) ergibt dies folgende Werte für die Wanderungsstatistik:

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                             1993-1994       1992-1993    Nettowanderungs-
                            Gesamtbilanz    Gesamtbilanz    rate Jän. 1994 (‰)
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Terre-Neuve                     -4 549         -2 594         -7,81
Ile-du-Prince-Édouard              689            724          5,15
Nouvelle-Écosse                    343          1 649          0,37
Nouveau-Brunswick               -1 035         -1 477         -1,37
Québec                          19 663         32 747          2,70
Ontario                         87 532        107 655          8,05
Manitoba                        -2 417         -2 394         -2,14
Saskatchewan                    -4 156         -4 705         -4,65
Alberta                          8 419          8 764          3,12
Colombie-Britannique            78 970         71 217         21,69
Yukon                           -1 055           -220        -36,37
Territoires du Nord-Ouest           15           -338          0,23
CANADA                         182 419        211 028          6,27
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Tabelle 2: Wanderungsbilanz (Quelle: Statistics Canada "Le Quotidien" vom 15. 8. 1995
Internet: www.statcan.ca/daily/francais/950815/q950815.htm
Migrationsjahr: 1. April bis 31. März, Bevölkerungsstand 1.1.1994)

Die stark positiven Werte sind in rot hervorgehoben. British Columbia sticht hier besonders hervor da die Provinz als einzige positive Binnenwanderungsraten mit positiver internationaler Wanderung verbindet. Ontario wird durch die starke internationale Zuwanderung vorangetrieben. Neufundland hingegen ist durch eine starke Binnenabwanderung gekennzeichnet; die auf Fischfang ausgerichteten Industrien sind dort in der Krise, klimatisch ist diese Region auch nicht bevorzugt.

2.3 Bevölkerungsstruktur

2.3.1 Altersstruktur

Canada ist immer noch ein "junges" Land. Mit einer Wachstumsrate von 1,1 ‰ (1993), liegt Canada noch weit vor europäischen Verhältnissen (D: 0,8; F:0,5; GB: -0,3), doch fliesst hier auch die Immigration ein.

Trotz einer schwach höheren Kindersterblichkeit als in Europa (teils auf die Verhältnisse bei den Ureinwohnern zurückzuführen), ist die Lebenserwartung um etwa zwei Jahre höher als im europäischen Vergleichsraum. (1994: w: 81; m: 74).

Wie alle westlichen Industrieländer beklagt jedoch auch Canada ein Altern der Bevölkerung: das Medianalter lag 1992 bei 33,8 Jahren, nur von 1952 bis 1966 verringerte es sich (27,7 auf 25,4). Im Laufe der Zeit vereinheitlichten sich die regionalen Unterschiede. Grund der Alterung ist auch hier das Sinken der Fertilitätsraten. 1921 war die totale Fertilitätsrate (TFR) bei 3,5. Bis 1935 sank sie auf 2,6; zu Beginn der 1940er Jahre steigt sie kontinuierlich an um nach dem Krieg 4,0 zu erreichen. Sie hält sich bis Mitte der 1960er Jahre auf hohem Niveau um dann scharf abzusinken. Seit 1970 ist die TFR in Kanada unter den kritischen Niveau von 2,1; Ende der 1980er Jahre erreichte sie ihren Tiefstpunkt mit 1,7. Interessanterweise ist seit 1988 wieder ein Ansteigen zu vermerken, 1,8‰ 1994. Abbildung 6 veranschaulicht grob das Altern der Bevölkerung.


Abbildung 6: Alterung der Bevölkerung (Quelle: Statistics Canada, CANSIM)

Eingebremst wird diese Alterung durch die „neuen Immigranten“: war das Verhältnis Natürliche Bevölkerungsbilanz - Wanderungsbilanz 1985 bei 0,20, so liegt es 1991 bei 0,87. Das hat auch zur Folge, daß die Bevölkerung Canadas immer noch jünger als jene der USA oder Europas ist. Trotzdem weicht in der Alterspyramide die Glockenform (1961) der europäischen Verhältnissen bekannten Bienenkorbform mit verengter Basis (Abbildung 7).


Abbildung 7: Alterspyramiden Canada 1961 und 1986 im Overlay
(Quelle: Statistics Canada, demography division
Internet (2008): http://www12.statcan.ca/francais/census06/analysis/agesex/vignettes/cda06pymd_f.html)

2.3.2 Bevölkerungsdichte, Siedlungsstruktur

89% Canadas sind nicht permanent besiedeltes Land und ein Grossteil des Staatsgebietes befindet sich nördlich des 49. Breitengrades wobei es viele Klimazonen abdeckt, von denen die meisten für den Menschen höchst ungeeignet sind. Die folgende Tabelle 3: Canadas Bevölkerung nach Provinzen und Territories macht sichtbar, dass eine Betrachtung nach den übergeordneten administrativen Grenzen wenig Sinn ergibt. Abgesehen von Prince-Edward-Island, ist keine Provinz flächendeckend besiedelt.

Die Atlantischen Provinzen sind prinzipiell nur an den Ufern besiedelt.

58% der Bevölkerung lebt zwischen der Amerikanischen Grenze und einem 1050km langen Streifen zwischen Québec City und Sault Ste. Marie. Dazwischen liegen die Weltstädte Montréal, Ottawa-Hull, Toronto, sowie Hamilton, London, Windsor und Kitchener.

Entlang der Flussläufe oder z.B. rund um den See St-Jean ergeben sich weitere schmale zusammenhängende Siedlungszonen. Ab einer Linie St-James-Bay - Lake Superior reissen die zusammenhängenden Gebilde ab, es gibt verschieden grosse, isolierte Siedlungsplätze.

Einigermassen zusammenhängende Bevölkerungszonen (um 5 bis 10 Einw./km²) gibt es südlich des Lake Winnipeg, in der südlichen Hälfte von Saskatchewan und im Südosten Albertas. Dieser Block ist der grösste Bereich zusammenhängender Besiedlung, beherbergt aber nur 6,2% der Bevölkerung des Landes.

British Columbia weist wieder nur linienhafte Besiedlung auf: an den Küsten des Strait of Georgia und den inneren Flussläufen.

In den Territories nördlich des 60. Breitengrades gibt es nur mehr noch in Yukon Bereiche wo man alle 100km einen Ort findet (Streusiedlung).

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Provinces, Territoires       Fläche,km²    Dichte 95       1.1.94         1.1.95
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Terre-Neuve                     371.653        1,5        582.700        577.900
Ile-du-Prince-Édouard             5.660       30,0        133.900        135.600
Nouvelle-Écosse                  52.841       17,7        932.700        935.800
Nouveau-Brunswick                71.569       10,6        756.700        759.100
Québec                        1.357.655        5,4      7.270.400      7.308.200
Ontario                         916.734       12,0     10.872.700     11.004.800
Manitoba                        547.704        2,1      1.126.100      1.131.600
Saskatchewan                    570.113        1,8      1.010.900      1.013.600
Alberta                         638.233        4,3      2.701.400      2.727.300
Colombie-Britannique            892.677        4,2      3.627.000      3.712.100
Yukon                           531.844        0,05        29.600         29.700
Territoires du Nord-Ouest     3.246.389        0,02        64.300         65.400
CANADA                        9.203.054        3,2     29.108.300     29.413.100
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Tabelle 3: Canadas Bevölkerung nach Provinzen und Territories
(Quelle: Canadian Government Sevices (Internet: http://canada.gc.ca/), Canadian Yearbook 1994)

Aus diesen Gründen führten die canadischen Behörden den "Census of Metropolitan Areas" ein. Es handelt sich um grosse urbane zusammenhängende Gebiete die den Kern, die angrenzenden Stadtgebiete aber auch den umgebenden, wirtschaftlich vernetzten ruralen Raum verbinden. Canada zählt zu den urbanisiertesten Landern der Welt, die Verstädterung erreicht nun ca. 80%, so erfasst dieser spezielle Zensus auch den Grossteil der Bevölkerung. Geographische Lage siehe Abbildung 11 oberer Teil, Grössen in untenstehender Abbildung.


Abbildung 8: Census Metropolitan Areas 1991 in Tausend
(Quelle: Statistics Canada, Census of Canada 1991, Social Trands und Canada Yearbook 1994)

Um das Ausmaß dieser CMAs zu erfassen seien hier die Einwohner einiger CMAs und jene der eigentlichen Stadt gegenübergestellt:

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                   CMA          Stadt 
______________________________________
Toronto     3,839.046     635.395     
Montréal    3,127.242   1,017.666     
Vancouver   1,602.502     471.844     
Ottawa-Hull   920.857        -        
Ottawa          -         313.987     
Hull            -          60.707     
Edmonton      839.924     616.741     
Calgary       754.033     710.677     
Winnipeg      652.354     616.790     
Québec        645.550     167.517     
Hamilton      599.760     318.499     
______________________________________
	

Tabelle 4: CMAs und Städte im Vergleich 1991
(Quelle: The Statesman's Yearbook 1994/1995)

Schon früh erreichten die Provinzen Canadas 50% Verstädterungsgrad: British Columbia, Ontario und Québec ab 1921, Manitoba 1951, Alberta 1961 und Saskatchewan 1971. Nur Prince Edward Island ist noch überwiegend ländlich geprägt. Auch die "Census Metropolitan Areas" (CMAs) wachsen gewaltig: von 1951 bis 1986 verdreifachte sich das Ausmaß der meisten Zentren, Calgary's CMA wuchs mit dem Faktor 4,7 am stärksten. Kurzfristig kannten aber die CMAs einzelner Prärie-Städte auch negative Raten, besonders Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre.

%           1931      1961      1991
____________________________________
Stadt         53        70        77
Land landw.   31        11         3
Land n.lw.    16        19        20
____________________________________
	

Tabelle 5: Fortschreitende Verstädterung
(Quelle: OECD-Observer, Internet via CANSIM)

Etwa ein Drittel der Bevölkerung Canadas lebt in den 3 grössten CMAs (Toronto, Montréal und Vancouver), 60% der Immigranten sind ebenfalls in diesen Stadtgebieten zu finden. Siehe eigenes Kapitel.

2.3.3 Beschäftigungsstruktur

In der canadische Statistik ist Unterteilung in drei Wirtschaftssektoren nicht üblich, viel mehr besteht eine Sechsteilung. Auch hier schrumpft der Landwirtschaftssektor auf 3-4% im Landesdurchschnitt, jedoch gibt es gewaltige regionale Unterschiede, so zählt die Kornkammer Saskatchewan 1986 noch 19% Aktive in der Landwirtschaft. Immer mit hohen Zahlen vertreten ist die sog. Clerical Group, besonders aber in Ontario und Alberta, im nationalen Durchschnitt bei 18%, dies ist auf die breite Definition dieses Standes zurückzuführen. Der Industrie-Sektor tut sich besonders in Ontario, Québec und New Brunswick hervor. Bis 1993 sank der Landwirtschaftssektor auf 2,4%, das steht im direkten Zusammenhang mit der Abwanderung aus den Provinzen Saskatchewan und Manitoba (siehe Tabelle 2: Wanderungsbilanz).


Abbildung 9: Bevölkerung Canada nach Wirtschaftsabteilungen 1986
(Quelle: Statistics Canada, Census of Canada 1991,p. 93-151)

Canada zählt zu den reichsten Ländern der Welt und verfügt über ein weitaus besseres Sozialnetz als der südliche Nachbar. In dem wirtschaftlich liberal geprägten Staat herrscht dennoch eine starke Beschäftigung. Dies ist in der folgenden Tabelle 6 ersichtlich, zum Vergleich: österreichs Erwerbsquote liegt unter 50%. Regional gibt es dennoch Unterschiede, so ist das abseits gelegene und dünn besiedelte Neufundland an letzter Stelle anzutreffen. Dies ist auch der Grund für den regen negativen Wanderungssaldo. Dennoch gibt es landesweit eine relativ hohe Arbeitslosigkeit. Das allseits aufstrebende British Columbia weist nur den Canada-Durchschnitt auf, verzeichnet aber als einzige Provinz neben Saskatchewan ein Zuwachsen der Erwerbsquote.

Hinter diesen hohen Erwerbsquoten verbergen sich aber zum Teil hohe Arbeitslosenraten, ebenfalls in Tabelle 6 ersichtlich. Die atlantischen Provinzen sind hier besonders betroffen. Neu-Schottland und Neu-Braunschweig haben doch zusammen 1,7 Millionen Einwohner und beeinflussen den Canada-Durchschnitt negativ. Auch Québec macht mit fast 11% kein gutes Bild, dies ist allerdings keine neue Erscheinung, trotz der Jahrzehnte andauernden Versuche sich auch wirtschaftlich gegenüber den Toronto & Co zu behaupten mangelt es im francophonen Bereich immer noch an wirtschaftlichen Aufwind. Gegen Westen sinken die Arbeitslosenzahlen, aber ohne drastische Unterschiede.

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               Allgemeine Erwerbsquote         Arbeitslosenrate
            (activity rate/taux d’activité)           in %
           saisonsschwankungsbereinigt in %

                                         März 1996  
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Terre-Neuve                  50,7                   19,1
Ile-du-Prince-Édouard        65,5                   14,1
Nouvelle-Écosse              59,4                   12,6
Nouveau-Brunswick            58,3                   10,0
Québec                       62,1                   10,9
Ontario                      66,0                    8,9
Manitoba                     66,4                    7,2
Saskatchewan                 66,0                    7,3
Alberta                      72,5                    7,1
Colombie-Britannique         65,3                    8,6
Canada                       64,8                    9,3
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Tabelle 6: Erwerbsquoten und Arbeitslosigkeit März 1996
(Quelle: Statistics Canada, Le Quotidien, verschieden Ausgaben, Internet: http://www.statcan.ca/Documents/Francais/Subjects/Labour/LFS/lfs-fr.htm)

People of Canada - People of British Columbia
Einwanderung im Westen Kanadas

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