GIS-unterstützte Tourenplanung
in der Abfallwirtschaft
am Beispiel Wiens

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6. Zusammenfassung

Die kommunale Abfallwirtschaft muss immer komplexere Aufgaben bewältigen. Vor allem in den letzten zehn Jahren wuchs das Aufgabenfeld aufgrund der getrennten Sammlung gewaltig an. Dies bringt auch einen gestiegenen Aufwand bei der Planung der Sammeltouren mit sich.

Mit Geographischen Informationssysteme lassen sich räumliche Analysen effizient durchführen. So können diese für die Tourenplanung in der Abfallwirtschaft gewinnbringend eingesetzt werden.

Bei der Recherche und Analyse von schon bestehenden und in Anwendung befindlichen Softwarepaketen zur Tourenplanung mit integrierten geographischen Informationssystemen kristallisierten sich zwei Gruppen von Systemen heraus.

Zur ersten Gruppe gehören Systeme, die eine Tourenplanung unterstützen, aber dafür keinen mathematischen Algorithmus verwenden. Sie zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie die tägliche Arbeit in der Abfallwirtschaft durch zahlreiche Zusatzmodule wie Behälterverwaltung, Verrechnung, Auswertungen, graphische Darstellung der Touren etc. wesentlich unterstützen. Bei der Nutzung eines solchen Systems sind jedoch die Einsparungen nicht bei den Fixkosten - also den Touren selber -zu erwarten, sondern bei den Planungsabläufen durch eine Rationalisierung der Arbeitsschritte. Dadurch werden die Prozesse transparenter und einfacher, die Kommunikation wird verbessert, die Mitarbeitermotivation steigt. Diese Systeme lassen sich relativ einfach einführen und nutzen.

Die zweite Gruppe umfasst Systeme, welche für die Tourenplanung einen mathematischen Algorithmus verwenden. Diese bestehen meist nur aus solch einem Modul, andere Zusatzmodule für die abfallwirtschaftliche Routinearbeit sind nicht integriert. Bei diesen Systemen ist eine Einsparung bei den Fixkosten zu erwarten. Ein wesentlicher Nachteil ist der zu erwartende hohe Aufwand der Datenaufbereitung vor der Einführung und auch die Datenwartung während der Nutzung. Entscheidet man sich für solch ein System, ist es nur sinnvoll, wenn auch in die Datenbereitstellung investiert. Das System steht und fällt mit den Basisdaten.

Es erscheint nicht seriös, an dieser Stelle die möglichen Einsparungen bei den Fixkosten genau zu beziffern. Dies hängt sehr stark davon ab, welche Ausgangssituation vorliegt. In kommunalen Sammelsystemen, wo vorher noch analog mit Karteikarten gearbeitet wurde, ist somit das Einsparungspotential wesentlich höher anzusetzen als in Sammelsystemen, wo vor der Einführung eines Tourenplanungsprogrammes schon ein Computersystem im Einsatz war.

Der Arbeitsaufwand beim Planungsvorgang selber kann durch den Einsatz einer GIS-unterstützten Tourenplanung auf die Hälfte reduziert werden. Dabei lassen sich Einsparungen von rund 480 Arbeitsstunden oder rund 7.300 bis 11.000 Euro pro Jahr erzielen.

Als besonders nutzbringend können vor allem die weiteren Nutzungen von GIS-Systemen über die Tourenplanung hinaus bezeichnet werden. Hiermit werden neue Möglichkeiten für die Planung und Optimierung sowie für das Bürgerservice eröffnet. Sind die Behälter samt ihrer Standplätze einmal verortet, so können hiermit weitere räumliche Analysen durchgeführt werden.

Zum einen sind mit solch einem Werkzeug strategische Planungen möglich. Standortplanungen von Behältern mit Erreichbarkeiten und Einzugsgebieten lassen sich leicht realisieren. Über- und Unterversorgungen mit Behältern in unterschiedlichen Gebieten können rasch erhoben und so eine Optimierung des Sammelsystems durchgeführt werden.

Zum anderen kann ein Informationssystem für Bürgeranfragen eingerichtet werden, welches auf Eingabe einer Adresse die umliegenden Altstoffbehälter anzeigt. Bürgeranfragen können so schnell beantwortet werden, was aus einer reinen Standortliste nicht möglich ist. Dieses Service kann auch für das Internet ausgebaut und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden.

Weiters kann das System mit einem Flottenmanagement verbunden werden. Die Koppelung mit Bordcomputern und die Ausstattung der Sammelfahrzeuge mit GPS-Geräten ermöglicht einen flexibleren und somit wirtschaftlicheren Einsatz des Fuhrparkes bei der Erledigung der täglichen Aufgaben.

Für diese Anwendungen konnten keine ausgereiften Softwarepakete recherchiert werden. Ansätze gibt es lediglich bei Bürgerinformationssystemen.

Grundlegend für die Einführung einer GIS-unterstützten Software in der kommunalen Abfallwirtschaft und damit auch das Auswählen eines passenden Softwarepaketes ist eine genaue Zieldefinition hinsichtlich des Einsatzes des Systems. Ebenfalls müssen auf die Planung der Einführung, die Bewältigung der eventuell auftretenden Probleme und die organisatorische Einführung enormen Wert gelegt werden, um die Vorteile eines solchen Systems voll ausschöpfen zu können.

7. Literatur

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Werbeunterlagen der Firma Karteninformationssysteme Austria

7.4. Gesetzblätter

BGBl.1990/325: Bundesgesetz über die Vermeidung und Behandlung von Abfällen (Abfallwirtschaftsgestz – AWG)

LGBl.1994/13: Gesetz über die Vermeidung und Behandlung von Abfällen und die Einhebung einer hierfür erforderlichen Abgabe im Gebiete des Landes Wien (Wiener Abfallwirtschaftsgesetz – Wr.AWG)

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in der Abfallwirtschaft
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